Der Mann hob seinen Stab, in den ein transparenter Magiestein eingelassen war, und bewegte sich langsam. Mit jedem leisen Geräusch, das der Stab beim Aufsetzen auf den Boden verursachte, verlor Kanna mehr und mehr ihre Gesichtsfarbe.
Als Yuder das bemerkte, griff er nach der Kapuze, die an Kannas
Uniform hing, und zog sie ihr über den Kopf. In dem Moment, als die große
Kapuze ihr Gesicht verdeckte, schnappte Kanna nach Luft und schluckte.
„Sag kein Wort.“
Yuder flüsterte leise, gerade laut genug, dass sie ihn hören
konnte, und trat dann auf den herannahenden Mann zu. Diese Position ermöglichte
es ihm natürlich, Kanna hinter sich zu schützen.
„Was geht hier vor sich?“
„Wer bist du?“
Obwohl er Yuders Zugehörigkeit oder Status nicht kannte,
redete der Mann herablassend mit ihm. Das bedeutete, dass er ihn mit Verachtung
ansah.
„Ich bin Yuder Aile, ein Mitglied der Kavallerie. Und Sie
sind?“
„Die Kavallerie?“
Der Mann neigte den Kopf, als würde er diesen Namen zum
ersten Mal hören, und stieß einen Moment später einen Laut der Erkenntnis aus.
„Ah, richtig. Diese Gruppe, die Seine Hoheit, der Herzog von
Peletta, zusammengestellt hat ...“
Er ließ den Rest unausgesprochen, aber der Unterton war
eindeutig negativ. Yuder sah ihn kalt an, während er subtil auf seine
behandschuhte Hand blickte.
Er wagt es, meine Frage zweimal zu ignorieren. Früher
hätte ich ihn sofort auf die Knie gezwungen ...
Nicht, dass er es jetzt nicht tun könnte. Seine Hand juckte,
etwas zu unternehmen, aber das Geräusch des zittrigen Atems der vermummten
Gestalt hinter ihm hielt ihn zurück.
„Es gibt keinen Grund für Höflichkeiten. Die Frau hinter dir
gehört zu meinem Haushalt. Sie hat kürzlich ein Verbrechen begangen und ist
geflohen. Wir konnten sie bis jetzt nicht finden. Geh mir aus dem Weg, damit
ich sie mitnehmen kann.“
Kanna hörte abrupt auf zu zittern. Yuder warf ihr einen
kurzen Blick zu, bevor er seinen Blick wieder auf den Mann richtete. Als er Yuders
gelassene Haltung sah, befahl der Mann erneut mit rücksichtsloser Attitüde.
„Hörst du mich nicht? Ich sagte, du sollst aus dem Weg
gehen.“
„Oh. Hörst du den Grafen nicht? Er sagt, du sollst aus dem
Weg gehen!“
Der Diener, der neben dem Mann stand, erhob ebenfalls seine
Stimme. Trotzdem blieb Yuder stehen und rührte sich keinen Zentimeter.
„Bist du taub?“
„Sie brauchen sich nicht selbst um diese niederen Wesen zu
kümmern, Herr. Ich werde gehen ...“
„Können Sie das beweisen?“
Endlich sprach Yuder.
„Was?“
„Wie können Sie sicher sein, dass die Person hinter mir die
ist, die sie suchen?“
In dem Moment, als Yuders tiefe, düstere Stimme durch die
Luft hallte, verspürten alle, die zugesehen hatten, eine erschreckende
Intensität, die sie unkontrolliert zittern ließ.
Der Mann, der sich als Yuder Aile vorgestellt hatte, wirkte
unpassend, wie ein einzelnes falsch platziertes Teil in einem perfekten Puzzle.
Zwei gnadenlose Augen unter pechschwarzem Haar. Der dunkle
Schatten, den sie warfen, war furchterregend, als könnte allein sein Blick
einem die Seele rauben. Sein gespenstisch blasses Gesicht war ebenso
beunruhigend.
Doch diese unheimliche und intensive Ausstrahlung machte es
unmöglich, den Blick von Yuder abzuwenden.
Bis zu diesem Moment hatte ihm niemand Beachtung geschenkt,
aber sobald man ihn wahrnahm, schien alles an ihm anders zu sein.
Obwohl er direkt vor ihnen stand, wirkte er wie ein Schatten
ohne Präsenz – unbedeutend, doch bei genauerem Hinsehen verschlang er etwas
Furchterregendes wie die Dunkelheit.
Jemand schluckte unbewusst seinen Speichel.
Wer um alles in der Welt war diese Person? Viele, die Yuders
Selbstvorstellung nicht gehört hatten, fragten sich gleichzeitig.
„Ihr ... Ihr habt sie mit einer Kapuze verdeckt und wollt
jetzt plötzlich etwas anderes behaupten?
Der Diener, der selbstbewusst versucht hatte, Kanna hinter Yuder
hervorzuziehen, stotterte und brachte kaum eine Antwort heraus. Er merkte nicht
einmal, dass er unbewusst eine höfliche Sprache verwendet hatte.
„Sie sind aus dem Nichts aufgetaucht und habt versucht, sie
mitzunehmen, ohne überhaupt zu überprüfen, ob sie die Person ist, die Sie
suchen. Ich wusste nicht, dass ein Adliger des Palastes wie Sie einfach jeden
innerhalb des Kaiserpalastes mitnehmen kann, ohne auch nur seinen Namen zu
nennen.“
Yuder zeigte nicht die geringste Spur von Angst oder
Verwirrung. Seine kalten Worte sorgten für ein Raunen in der Menge.
„Ein Adliger aus dem Palast?“
„Ein Adliger hat versucht, jemanden mitzunehmen? Wer ist
das?“
Als der Diener merkte, dass die Aufmerksamkeit der Menge auf
seinen Herrn gerichtet war, wurde sein Gesicht blass.
„Herr...“
In den Augen des Grafen, der Kanna ähnelte, spiegelten sich
Verachtung und Wut wider. Hätte es keine Zeugen gegeben, hätte er die Situation
einfach ignoriert und getan, was er wollte.
Leider passierte das vor der Schwarzen Taube, einem der
belebtesten Orte im zweiten Bezirk.
Da die Aufmerksamkeit auf ihn gelenkt worden war, musste er
entsprechend seinem Status und seiner Würde handeln.
„Es scheint ein Missverständnis vorzuliegen. Mein Diener
muss sich versprochen haben, aber er hat es nicht so gemeint. Ich bin Hank
Gallon, ein Beamter zweiter Klasse des Palastes.“
Er war immer noch herablassend, aber sein Tonfall hatte sich
zu einem etwas höflicheren gewandelt, offenbar aus Rücksicht auf die
Umstehenden. Yuder suchte in seinem Gedächtnis nach dem Namen Gallon.
Gallon ... Gallon. Richtig. Er war ein Graf, so viel ist
sicher.
Um alle möglichen geheimen Missionen in der Nähe des Kaisers
auszuführen, musste man sich der politischen Lage sowohl innerhalb als auch
außerhalb des Reiches gut bewusst sein.
Sich an alle einflussreichen Familien im Reich zu erinnern,
gehörte zu den notwendigen Vorbereitungen dafür. Yuder durchforstete sein
Gedächtnis, bevor er sprach.
„Sie sind also der Graf von Gallon.“
„Ich entschuldige mich für die plötzliche Bitte, aber die
Frau, die du vorhin gesehen hast, ist zweifellos ein Mitglied meines Haushalts,
das ich verloren habe. Wenn du mir erlaubst, ihr Gesicht zu überprüfen, wird
schnell klar werden, ob meine Behauptung stimmt.“
Die einzige Information über Graf Gallon, die Yuder noch im
Gedächtnis hatte, war, dass seine Familie seit langer Zeit ruhig in der
Hauptstadt lebte. Auch wenn sie nie im Zentrum der Politik gestanden hatten,
hatten sie auch nie die Initiative ergriffen, um Ärger zu verursachen. Sie
schienen sich klug verhalten zu haben.
Außerdem war der Palast ein Ort, den nur Adlige mit
mindestens fünf Generationen bestätigter Abstammung betreten durften, da sie
direkt mit den kaiserlichen Angelegenheiten befasst waren. Die Macht, die sie
ausüben konnten, war begrenzt, aber es war gut für die Erhöhung ihrer Ehre.
Er bezeichnete sie nicht als Blutsverwandte, sondern
ausdrücklich als Mitglied seines Haushalts. Das bedeutet, dass ihre Beziehung
nicht offen diskutiert werden kann.
Angesichts von Kannas Reaktion war klar, dass sie sich seit
ihrer Ankunft hier seltsam verhalten hatte, vielleicht aus Angst, dieser Person
zu begegnen. Yuder fasste einen Entschluss und schüttelte mit unverschämter
Miene den Kopf.
„Ich fürchte, das wird nicht möglich sein.“
„Wie bitte?“
„Meine Begleiterin stammt aus einfachen Verhältnissen und
hat erst kürzlich einen Nachnamen und die Anerkennung Seiner Majestät erhalten.
Warum sind Sie so sicher, dass sie zu Ihrer Familie gehört, Graf? Unsere
Kavallerie überprüft die Identität aller ihrer Mitglieder, daher ist es schwer,
zu glauben, dass sich unter uns ein Verbrecher befindet. Um welches Verbrechen
handelt es sich überhaupt?“
„… Das musst du nicht wissen.“
„Dann kann ich meine Begleiterin natürlich nicht ausliefern.
Meine Begleiterin anzuzweifeln bedeutet, unseren Kommandanten, dem Herzog von Peletta,
anzuzweifeln. … Sind Sie mit einem Hintergedanken zu uns gekommen, Graf?“
Die Leute um sie herum murmelten, als er seine Worte, ohne
zu zögern aussprach. Seine Argumentation schien logisch und deutete auf
verschiedene Bedeutungen hin.
Wollte er damit andeuten, dass der Graf Hintergedanken
hatte, dass es sich um eine Familienangelegenheit handelte oder dass er etwas
gegen dem Herzog von Peletta im Schilde führte? Oder war das nur ein lüsterner
Plan, der auf eine Frau abzielte, die ihm ins Auge gefallen war? Die Hand des
Grafen, die seinen Stock umklammerte, verkrampfte sich, während neugierige
Blicke auf ihn gerichtet waren.
„Wie könnt Ihr es wagen, die Absichten meines Herrn infrage
zu stellen!“
„Halt dich zurück.“
Graf Gallon winkte seinen Diener weg. Aber seine scheinbar
sanfte Fassade war längst vor Wut verhärtet.
„Ich habe versucht, respektvoll zu sein, aber die Art, wie du
sprichst, ist äußerst vulgär. Kommt deine Dreistigkeit von dem törichten
Glauben, dass du von jemandem mit großer Macht unterstützt wirst?“
„Warum beantworte Sie dann nicht meine Frage? Wie könnte
meine Begleiterin hinter mir eine Kriminelle sein, die Ihnen entwischt ist?“
„Ich habe es die bereits gesagt. Wenn sie die Kapuze abnimmt
und das Gesicht enthüllt, wird alles klar werden.“
„Beantwortet zuerst meine Frage. Wie soll ich die Wahrheit
erfahren, wenn Sie erst sprechen, nachdem Ihr sie gesehen habt?“
Die entschiedene Antwort von Yuder, die andeutete, dass er
dem Grafen nicht trauen konnte, brachte Graf Gallon an den Rand der Wut.
Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er sofort die
Palastritter herbeigerufen, um sein Ziel zu erreichen. Aber er musste zögern,
da immer mehr Augen auf sie gerichtet waren.
„Was haben sie gesagt? Ein Graf des Palastes hat ein Auge
auf eine Frau geworfen? Er hat es auf jemanden abgesehen, der hier arbeitet?
Wie dreist, unter den wachsamen Augen des Sonnenpalastes.“
„Nein, sie sind von der Kavallerie. Sie wissen schon, die
Stelle, die der Herzog von Peletta vor ein paar Monaten eingerichtet hat und
die für ziemliches Aufsehen gesorgt hat.“
„Aber warum steht jemand von dort in Konflikt mit dem
Grafen?“
„Ich glaube, er hat etwas von einer Familienangelegenheit
erwähnt, aber ich kenne die Details nicht.“
Jeder Adlige schätzt seinen Ruf und seine Sicherheit über
alles. Selbst wenn der Kaiser nicht bei bester Gesundheit war, würde alles, was
im Palast passierte, an sein Ohr gelangen. Die vier großen Herzogsfamilien
waren noch vorsichtiger.
Das Haus des Grafen von Gallon hatte es geschafft,
unbeschadet zu bleiben und sich geschickt durch die Politik zu manövrieren,
ohne sich mit jemandem zu verbünden. Es war nicht ihre Absicht, unnötige
Kontroversen zu schüren und ihre Schwächen offenzulegen.
Sie konnten es sich nicht leisten, die Geheimnisse ihrer
Familie wegen der Suche nach einer jungen Ausreißerin zu offenbaren.
Letztendlich entschied sich Graf Gallon, einen Schritt
zurückzutreten.
„Du hast gesagt, du bist von der Kavallerie, oder? Heute ist
nicht der richtige Tag, aber ich werde bald dort vorbeischauen. Sobald ich mit
dem Herzog von Peletta gesprochen habe, wird die Wahrheit klar sein.“
Selbst angesichts dieser versteckten Drohung blieb Yuders
Gesichtsausdruck ruhig. Seine gleichgültige und arrogante Haltung, als würden
ihn solche Worte nicht interessieren, ließ den Grafen vor Frustration mit den
Zähnen knirschen.
„Ich werde mir deinen Namen merken.“
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Das Omegaverse und Adelstitel und ihre Anreden in der Welt von Turning
yuder hat nicht nachgegeben jetzt bin ich gespannt was woll noch raus kommen wird und wieso sie zum haushalt gehört.
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