„Seid Ihr Seine Hoheit, der Herzog von Pelleta?“
„Ja.“
Der Geruch von rohem Eisen hing in der Luft, als die Leute
näher kamen.
„Und wer seid ihr?“
„Wir sind die die kaiserliche Palastwache und stehen unter
dem direkten Befehl des Kronprinzen. Wir sind froh, dass Sie unversehrt sind,
Eure Hoheit. Der Prinz war äußerst besorgt, als Sie plötzlich verschwunden und
eine Zeit lang nicht zurückgekommen sind. Er hatte Angst, dass dir was
zugestoßen sein könnte, vor allem wegen des Attentatsversuchs heute ...“
Der Blick des Soldaten wanderte zu Yuder, der von Kopf bis
Fuß in ein goldenes Tuch gehüllt war.
„Aber ... wenn ich fragen darf, was tragen Sie da?“
„Wonach sieht es aus? Es ist eine Person.“
Kishiar passte seinen Griff um die Gestalt in seinen Armen
sanft an und enthüllte eine behandschuhte Hand unter dem Umhang. Als sie die
tödliche Blässe sahen, waren die Soldaten sichtlich erschrocken, sodass Kishiar
ruhig einwerfen konnte.
„Ich wusste nicht, dass mein kurzes Treffen mit meiner
Geliebten den Kronprinzen so beunruhigen würde. Ich sollte mich bedanken.“
Im selben Moment sahen die Soldaten, wie der
heruntergerutschte weiße Handschuh zuckte. „Also ... ist das ... diese Person
... Eure Hoheit ...?“
Kishiar grinste den stammelnden Soldaten still an.
„Nur ein längeres heimliches Treffen. Ihre Beine waren
schwach, also habe ich ihr geholfen. Sie ist schüchtern, deshalb die
Verhüllung, ist sie nicht bezaubernd?“
Erst dann bemerkten die Soldaten den zerzausten Zustand von Kishiars
Haaren und Kleidung. Sein gerötetes Gesicht und seine verschwitzte Stirn
weckten skandalöse Gedanken in ihren Köpfen.
Obwohl sie das Gesicht der Person, die Kishiar trug, nicht
sehen konnten, stellten sie sich unweigerlich eine zierliche, zarte Adlige vor,
ähnlich einer Hirschkuh. Sie waren von dieser Illusion fasziniert, ohne zu
bemerken, dass es sich lediglich um den Kontrast zwischen Kishiars kräftiger
Statur und dem zarten weißen Handschuh handelte, der unter dem Umhang
hervorschaute.
„So ... so war das also.“
Na klar, wie sollte es auch anders sein. Was hätte man sonst
von einem Herzog erwarten können, der sich lieber vergnügte als aß? Während die
Gesichter der Soldaten ihre vielfältigen Gedanken widerspiegelten, zwinkerte Kishiar
ihnen schelmisch zu, ganz wie es seinem Ruf entsprach.
„Also behaltet das für euch, in Ordnung?“
„Sie ist noch jung und überaus schüchtern. Sie behauptet,
sie könne ohne mich nicht nach Hause gehen.“ Während er murmelte, zuckte die
behandschuhte Hand erneut, streckte sich aus, als wolle sie Kishiar an Kleidung
festhalten, bevor sie schlaff herabfiel.
Kishiar ließ die Soldaten, die ihn mitleidig beäugten,
hinter sich und schritt elegant aus dem Deluma-Palast hinaus. Erst als er keine
Menschenseele mehr wahrnehmen konnte, blieb er stehen, hob den Saum des
Umhangs, den er um sich geschlungen hatte, und enthüllte das Gesicht der Person
darin.
Als er zu Kishiar aufblickte, starrten ihn zwei Augen, die
viele unausgesprochene Worte enthielten, aus einem vor Erschöpfung blassen
Gesicht an.
„... Ich habe nicht verstanden, dass du mit Zusammenarbeit
... das hier gemeint hast.“
„Habe ich meine Rolle nicht gut gespielt? Wir haben es doch geschafft,
zu fliehen, oder?“
„…“
Er war sprachlos. Wie konnte er das schwindelerregende
Gefühl beschreiben, in seinen Armen gehalten und als seine Liebhaberin
vorgestellt zu werden? Aber so ärgerlich es auch war, Yuder konnte nicht
leugnen, dass Kishiar mit seinem schnellen Denken dazu beigetragen hatte, dass
sie ohne Zwischenfälle entkommen konnten. Als Antwort seufzte er tief.
„… Wie weit… willst du gehen? Warst du heute nicht zum
Abendessen mit Seiner Kaiserlichen Majestät verabredet?“
„Das stimmt.“
Mit einer knappen Antwort setzte Kishiar sich wieder in
Bewegung.
„Es gibt einen kleinen Palast, in dem ich während meiner
Zeit als Prinz gelebt habe, direkt neben dem Deluma-Palast. Dort wohnen noch
immer vertraute Diener. Ruh dich dort eine Weile aus.“
„Aber zurück zur Kavallerie ...“
Seine Worte kamen stockend, aber Kishiar verstand Yuders
Absicht ohne große Schwierigkeiten und antwortete.
„Nein, dort gibt es zu viele Alphas, die ihren Brunstzyklus
noch nicht beendet haben. Es ist besser, sich hier allein auszuruhen, wo es
viele normale Menschen gibt, als dich, dessen Manifestation noch nicht
abgeschlossen ist, allein zurückzuschicken.“
Yuder erinnerte sich an die erwachten Alphas, die sie aus
der Familie Apeto gerettet hatten, und stimmte zu, dass es am besten war, Kishiar
zu folgen. Sein steifer Körper entspannte sich endlich und Kishiar begann sich
wieder zu bewegen.
Als Yuder zu seinem Gesicht aufblickte, begann seine Sicht
zu verschwimmen und er schloss die Augen. Sein Atem wurde süß, so intensiv,
dass er es selbst spüren konnte, und es würde für Kishiar noch anregender sein,
aber in den Händen, die seinen Körper stützten, war kein Anzeichen von Zittern
zu erkennen.
Warum war ein Wesen mit so viel Geduld in seinem früheren
Leben plötzlich zusammengebrochen? Bis jetzt hatte er gedacht, dass ihre sich
überschneidenden Brunstzyklen der Hauptgrund gewesen seien, aber jetzt, wo er
darüber nachdachte ...
Vielleicht hatte es etwas damit zu tun, warum Kishiar
damals immer Handschuhe trug ...
Bei diesem Gedanken verschwamm sein Bewusstsein. Als er
seine Augen wieder öffnete, durchzuckte ihn ein plötzlicher Schmerz, der ihm
die Lunge durchbohrte, und sie waren bereits vor einem seltsamen Palast
angekommen.
„Ugh ... äh ...“
„Oh je, du bist wach.“
„Eure Hoheit, bitte übergebt ihn uns. Wir werden die
Verantwortung übernehmen und uns um ihn kümmern.“
Die beiden älteren Diener, die daneben standen, senkten ihre
Stimmen und flehten ängstlich, und Kishiar übergab Yuder vorsichtig an sie.
„Yuder, kannst du mich hören? Das ist der Palast, von dem
ich dir erzählt habe. Halte durch, bis ich vom Abendessen zurück bin. Ich werde
versuchen, so schnell wie möglich zurückzukommen.“
Er wollte sagen, dass das nicht nötig sei, aber er konnte
keinen Ton herausbringen. Yuder verzog das Gesicht und wand sich, um sich
anzustrengen, und plötzlich erinnerte er sich an etwas, das er vergessen hatte,
als er ein seltsames Rascheln in seiner Kleidung spürte.
Ah, der Brief, den er an Lenores Leiche gefunden hatte
...
Er hätte ihn Kishiar geben sollen, sobald er ihn gesehen
hatte, aber in der Aufregung hatte er es vergessen. Obwohl er nicht sprechen
konnte, schien es, als könne er zumindest das übergeben, also tastete Yuder mit
großer Anstrengung in seiner Tasche danach.
„Warum machst du das plötzlich?“
Ungeachtet der Überraschung der Diener über sein Zappeln zog
er verzweifelt den Brief heraus, und Kishiar betrachtete ihn mit einem
seltsamen Ausdruck.
„Das ist ...“
Kishiar nahm Yuder den Brief aus der Hand, öffnete, ohne zu
zögern, den Umschlag und überflog schnell den Inhalt.
„Ein Brief von Lenore Shand Apeto.“
Er war ein bisschen besorgt, dass noch Gift darauf sein
könnte, aber Kishiar, ein Mann mit der göttlichen Kraft eines Hohepriesters,
würde davon nicht betroffen sein. Yuder biss die Zähne zusammen, sammelte die
letzten Reste seines Bewusstseins und öffnete den Mund.
„... Es ist ... erledigt ... Schon ... erledigt. Das ... von
der ... Leiche ... Entschuldigung ... für die ... verspätete ... Meldung ...“
Bevor er zu Ende sprechen konnte, sackte sein Körper
zusammen. Überrascht begannen die Diener zu diskutieren, aber Kishiar, der den
Brief in wenigen Sekunden gelesen hatte, hob die Hand, um sie zu beruhigen,
atmete langsam aus und hob den Kopf. In seinen roten Augen blitzte kurz eine
Emotion auf, die einem Schock ähnelte.
„In der Tat ... das ist erstaunlich.“
„Eure Hoheit ... sollen wir ihn jetzt hereinbringen?“
„Ja, genau. Ach, bringt ihn in das Schlafzimmer ganz oben.
Außer euch beiden darf niemand sonst dort hinein.“
Die beiden Diener sahen sich natürlich an, als der Raum im
obersten Stockwerk erwähnt wurde.
„In diesem Raum haben Sie gewohnt, als ...“
„Ja. Es ist also der sicherste Ort, nicht wahr?“
Kishiar, der mit einem bitteren Lächeln auf den kleinen, in
der Dunkelheit versteckten Palast geblickt hatte, gab schnell seine
Anweisungen.
„Errichtet eine Barriere um das Bett. Er manifestiert sich
nur, er stirbt nicht an einer Krankheit, also zieht ihm einfach seine Kleidung
aus und wischt ihm den Schweiß ab. Das sollte reichen. Und wenn dort noch
Reinigungssteine übrig sind, sucht sie und bringt sie mir, wenn ich
zurückkomme.“
„Verstanden.“
Nachdem er gesehen hatte, wie die Diener Yuder hineintrugen,
drehte sich Kishiar sofort um. Während er Lenores Brief in der Hand hielt und
zum Deluma-Palast zurückkehrte, waren seine Augen bereits so scharf wie ein gut
geschliffenes Schwert geworden.
„Eure Hoheit, der Kaiser hat mich geschickt, nachdem er
gehört hat, dass Ihr den Deluma-Palast verlassen habt. Wenn Ihr irgendwelche
Wünsche habt, lasst es mich bitte wissen.“
Als er sich dem Deluma-Palast näherte, folgte ihm natürlich
ein Diener von irgendwoher und flüsterte ihm zu.
„Es war also Seine Majestät. Er weiß alles, was im Palast
passiert.“
Kaiser Keilusa, der den Palast selbst nicht verlassen hatte,
hatte an verschiedenen Orten Leute platziert, die als seine Augen und Ohren
fungierten. Die Tatsache, dass dieser Diener aufgetaucht war, bedeutete, dass
Kaiser Keilusa bereits die Nachricht von Lenores Tod und dem Attentatsversuch
auf Katchian erhalten hatte und beschlossen hatte, Kishiar bei seinem Vorhaben
zu unterstützen.
„Der Grund, warum ich den Palast verlassen habe, ist nicht
wichtig, also ist das geklärt. Aber das hier ...“
Kishiar reichte dem Diener den Brief von Lenore, den er
gerade gelesen hatte.
„Dem Inhalt nach zu urteilen, scheint es sich um etwas zu
handeln, nach dem Seine Hoheit, der Kronprinz, verzweifelt sucht. Nachdem ich
allein zurückgekehrt bin, such dir einen geeigneten Zeitpunkt, um diesen Brief
auf natürliche Weise einem der Diener des Kronprinzen zu übergeben. Sag, dass
er beim Aufräumen des Saals im zweiten Stock gefunden wurde. Das sollte
glaubwürdig genug sein.“
„Verstanden.“
Ohne irgendwelche Zweifel zu hegen, verbeugte sich der
Diener höflich und verließ Kishiar.
Allein gelassen, hielt Kishiar kurz inne, bevor er
zurückkehrte, und schaute sein Spiegelbild im Fenster an. Nicht, um seine
zerzauste formelle Kleidung oder seine Haare zu richten. Als er langsam seinen
Ärmel an seine Nase führte, war der starke Geruch, der noch daran haftete,
deutlich wahrnehmbar.
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Das Omegaverse und Adelstitel und ihre Anreden in der Welt von Turning
er ist sehr standhaft und als liebhaberin zu gelten ist komisch hat aber woll gereicht
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