„…“
Es herrschte eine unangenehme
Stille.
Kurz darauf brach Thais Yulman,
die bis dahin still gewesen war, als Erste aus der erstarrten Menge in
Gelächter aus.
„Hahaha! Meine Güte. Das letzte Mal, dass ich etwas so
Lächerliches gesehen habe, war vor acht Jahren, als irgendein Trottel schwor,
einen Zauber zu erschaffen, der ein Monster dazu zwingen würde, zu tanzen, bis
es vor Erschöpfung starb!“
Kurz darauf fingen auch Yuders
Kameraden an, zu kichern, als würden sie von seinem Lachen mitgerissen.
„Hahaha… hahahahaha!“
Inmitten des Lachens halfen
Kiolles Mitritter ihm schnell auf die Beine. Kiolle war ohnmächtig geworden und
sein Kopf hing herab.
Sie verschwanden ohne ein Wort,
als würden sie in Formation davon marschieren. Es war ein lustiger Anblick, der
kaum zu den angeblich schönsten und ehrenhaftesten Rittern des Kontinents
passte – den kaiserlichen Rittern des Orr-Kaiserreiches.
„Yuder, wie hast du das bloß
gemacht? Wir dachten, du könntest nur Feuer und Wasser einsetzen!“
„Betrachtet es als meinen eigenen
Fortschritt, so wie ihr auch Fortschritte gemacht habt.“
„Ist es so einfach, darüber zu
reden, dass man ein weiteres Element einsetzen kann?“
Inmitten des unaufhörlichen
Gelächters wandte Yuder, der sich ruhig mit dem Rothaarigen unterhielt, seinen
Blick Alik zu. Alik, der sich fühlte, als würden seine Gedanken von diesen
Augen durchbohrt, stammelte nervös.
„Hallo. Erinnern Sie sich an uns?
Genauer gesagt, haben Sie nur meinen Meister getroffen ...“
„Ja, ich erinnere mich.“
Zum Glück antwortete Yuder
gelassen.
„Ich habe gehört, dass ihr die
Kavallerie sucht. Ihr scheint keine eingeladenen Gäste zu sein, darf ich also
fragen, was ihr hier macht?“
„Ah, das ist ...“
Alik warf seinem Meister, der
immer noch herzlich lachte, einen vorwurfsvollen Blick zu. Es war an der Zeit,
dass er eingriff. Aber der Meister zeigte keine Anzeichen dafür.
„Mein Meister hat dem Herzog von Peletta
was Wichtiges mitzuteilen, deshalb sind wir so plötzlich hier. Aber der Weg ...
äh, war schwieriger als gedacht. Haha ...“
„Ja. Es ist schwierig.“
Ein leichtes, kühles Lächeln
huschte über Yuders Lippen und verschwand dann wieder. Er hatte bemerkt, dass Alik
die Ritter verfluchte, die ihre Bitte um Hilfe ignoriert hatten.
„Folgt mir. Ich werde euch
führen.“
Alik war ziemlich überrascht, da
er nicht gedacht hatte, dass Yuder so bereitwillig Hilfe anbieten würde. Aber Yuder
hatte sich bereits umgedreht und ging mit großen Schritten voraus.
„Meister, dieser Mann sagte, er
würde uns führen. Sollen wir gehen?“
Alik packte den Arm seines
Meisters, der so heftig lachte, dass ihm die Tränen kamen, und folgte ihm.
„Alik. Dieser Mann ist kein
gewöhnlicher Mensch“, flüsterte Thais leise, sodass nur sein Novize ihn hören
konnte, als sie sich der Kavalleriekaserne näherten. „Ich bin gekommen, um den
Stein zu sehen, aber es scheint, als hätte ich noch ein weiteres Thema zu
studieren.“
„Bedeutet dies, dass sie sich
derzeit dort unten befinden?“
„Ja.“
Nachdem er die Magier vom
Perlenturm zur Gästelounge im ersten Stock der Kavalleriekaserne geführt hatte,
ging Yuder direkt hinauf, um sich allein mit Kishiar zu treffen. Gakane wollte
ihn begleiten, weil er dachte, Kishiar könnte sauer sein, aber das war nicht
nötig. Kishiar war überhaupt nicht sauer, sondern schien sehr interessiert an
der Situation, die Yuder verursacht und gelöst hatte.
„Gut. Ich weiß, dass du nichts
Unüberlegtes tun würdest. Kiolle Diarca erneut zu begegnen, ist nichts als
Unglück … Wie auch immer, jetzt, wo die Situation geklärt ist, lass uns zum
nächsten Schritt übergehen.“
Yuder sah Kishiar an, der sich
mit einem entspannten Lächeln bequem in seinem Stuhl zurücklehnte, und wählte
seine Worte sorgfältig.
„Sie haben es nicht klar gesagt,
aber meiner Meinung nach sind sie Magier. Wahrscheinlich aus dem Perlenturm. Dass
solche Leute zu dieser Zeit unangemeldet hierherkommen und nur sagen, dass sie
den Kommandanten sehen wollen, ohne ihren Zweck genau zu nennen. Sie müssen
wegen des Roten Steins gekommen sein.“
Der alte Mann mit dem langen
Bart, der beiläufig von Magie sprach. Der Schüler, der einen so alten Mann
respektvoll seinen Meister nannte – sie verkörperten perfekt die für Magier
typische Tradition der Einzelausbildung. Wenn sie kaiserliche Magier wären,
gäbe es keinen Grund, ihre Identität zu verbergen, also war die einzige
verbleibende Möglichkeit klar.
Natürlich wusste Yuder aufgrund
seiner Erinnerungen aus seinem früheren Leben sofort, wer sie waren, aber das
sagte er Kishiar nicht.
„Wenn du das so siehst, dann ist
es eben so. Na und?“ Kishiar sah ihn mit sanftem Blick an, während er sein Kinn
auf die Hand stützte, die auf der Armlehne lag.
„Wie soll ich mit den Magiern
umgehen, die wegen des Roten Steins gekommen sind?“
„Ich denke, du musst
herausfinden, wie sie erfahren haben, dass der Stein hier ist, und was sie
damit vorhaben. Schließlich musst du ihre Absichten verstehen, bevor du sie nutzen
kannst.“
„Sie nutzen ...“
„Auch wenn sie aufgrund des
Willens des Turms hierhergekommen sind, sind sie letztendlich Magier. Selbst
wenn der Turm morgen aufgrund der heute gewirkten Magie einstürzt ...“
„Wenn du zaubern willst, dann
zaubere und stelle dich dem Tod. … Das ist ein Sprichwort, das oben auf dem
Perlenturm steht.“
Dieses Sprichwort wurde von einem
Magier hinterlassen, der sein ganzes Leben der Magie des Bewegens von Objekten
gewidmet hatte, und schließlich vor Hunderten von Jahren versuchte, den Mond
auf die Erde zu ziehen. Seine Magie schlug fehl, aber seine Worte blieben als
Motto erhalten, das den Geist des gesamten Perlenturms symbolisiert.
„Du schlägst also vor, dass wir
versuchen sollten, sie zu überzeugen, indem wir an die Gier der Magier
appellieren?“
Er sagte es nicht direkt, aber Kishiar
verstand sofort, was Yuder meinte.
Die Magier des Perlenturms waren
bekannt für ihre fanatische Besessenheit von der Magie, die sie praktizierten.
Sie zögerten nicht, sich für die Perfektionierung der Magie auf alle möglichen
unethischen Handlungen einzulassen.
Wenn Thais Yulman kein besonderes
Interesse an dem Roten Stein gehabt hätte und aufgrund des Willens des Turms
gezwungen gewesen wäre, hierher zu kommen, hätte er sich nicht die Mühe
gemacht, den Palast zu verlassen und sogar die Kavallerie aufzusuchen. Aber er
kam in seiner schäbigen Kleidung hierher und ertrug die Beleidigungen der
kaiserlichen Ritter, ohne seine Identität preiszugeben. In Anbetracht der
Tatsache, dass sein Hauptfach die Erforschung solcher Dinge war, hätte das zu
einem guten Ergebnis führen können.
„Sie schienen keine schlechten
Menschen zu sein. Ich habe vor, den Roten Stein mit der Hilfe einiger
Mitglieder, darunter Kanna, zu untersuchen, aber wäre es nicht besser, mehr
Hilfe zu haben?“
„Ursprünglich wollten die kaiserlichen
Magier den Stein zuerst untersuchen. Warum sollte ich einen Magier aus dem
Perlenturm anstelle von ihnen überreden?“
„Wenn du ihnen vertraut hättest,
hättest du den Stein dann nicht schon den kaiserlichen Magiern anvertraut, egal
was ich gesagt hätte?“
Yuder gab ruhig die vernünftigste
Antwort. Zufriedenheit breitete sich auf Kishiar Gesicht aus.
„In der Tat, mein Assistent ist
schlau. Es ist ein Glück, dass nicht jeder so schlagfertig ist wie du.“
Yuder hatte in seinem früheren
Leben gesehen, wie empfindlich die kaiserlichen Magier auf Macht reagierten.
Das war nur natürlich, da oft diejenigen kaiserlichen Magier wurden, die eher
Macht erlangen wollten, als ihre magischen Fähigkeiten zu verbessern.
Oberflächlich betrachtet
bekundeten sie ihre Loyalität allein gegenüber dem Kaiser, aber hinter den
Kulissen arbeiteten sie mit verschiedenen Adligen zusammen und beteiligten sich
an schmutzigen Geschäften.
Was der aktuelle Kaiser dachte,
konnte man nicht mit Sicherheit sagen, aber Kishiar konnte ihnen sicherlich
nicht voll und ganz vertrauen. Angesichts des Risikos von Informationslecks war
es viel sicherer, einen einzelnen Erzmagier für sich zu gewinnen, der von
magischer Forschung besessen war, als den kaiserlichen Magiern zu vertrauen.
Dies spielte wahrscheinlich eine Rolle dabei, dass er Yuders Vorschlag so
leicht akzeptierte.
„Na gut. Dann lass uns
runtergehen. Mal sehen, was für ein Talent uns der Perlenturm geschickt hat.“
Kishiar stand von seinem Platz
auf. Yuder dachte, er würde direkt aus den Gemächern hinausgehen, aber
überraschenderweise näherte er sich Yuder und schaute ihm aufmerksam ins
Gesicht.
Yuder spannte sich instinktiv an
und fragte vorsichtig: „… Kommandant?“
„Du scheinst nach dem Training
keine Zeit gehabt zu haben, dir das Gesicht zu waschen. Du siehst furchtbar
aus.“
Er holte ein Taschentuch heraus
und wischte Yuder über die Wangen und die Stirn. Der Duft, der von dem
Taschentuch ausging, ließ seinen Rücken für einen Moment erstarren.
Yuder erkannte Kishiars leicht
scharfen Körpergeruch. Es war eine verblasste Erinnerung in seinem Kopf
gewesen, die schon lange zurücklag. Die plötzliche Realität des Duftes
verunsicherte ihn.
„Bitte ... hör auf.“
„Wir sind sowieso fast fertig.“
Er drehte sein Gesicht weg, um
sich zu entziehen, aber es war vergeblich. Kishiar, der ihm bis zum Schluss
folgte und ihm sogar die Nase abwischte, steckte das Taschentuch wieder in
seine Tasche. Sein lässiges Verhalten machte Yuder sprachlos.
„Du hättest mir einfach sagen
können, ich soll mich waschen. Warum machst du das?“
„Was ist falsch daran, freundlich
zu sein?“
„Warum steckst du das Taschentuch
zurück? Es ist schmutzig, du solltest es wegwerfen.“
„Sei nicht so empfindlich. Mir
geht es gut.“
Kishiar lachte fröhlich und
klopfte Yuder auf die Schulter. Wenn jemand empfindlich reagieren sollte, dann
der Adlige Kishiar, nicht der Bürgerliche Yuder. Yuder bereute zutiefst, dass
er sich nicht früher das Gesicht gewaschen hatte.
‒ ֍ ‒
„Ihr müsst eine lange Reise
hinter Euch haben. Danke, dass Ihr gekommen seid.“
Kishiar, der mit Yuder zu den
Magiern hinabgestiegen war, begrüßte ihn fröhlich als Erster.
„Sind Sie Seine Hoheit, der Herzog
von Peletta?“
„Ja, in der Tat. Hier hat jedoch
meine Position als Kommandant der Kavallerie Vorrang, also nennt mich bitte
so.“
Als Alik dem Herzog von Peletta
endlich persönlich sah, war er erst von seiner Schönheit überwältigt, als würde
er die Inkarnation des Sonnengottes sehen, und dann von seinem schlangenhaften
Lächeln.
Ich habe gehört, er sei
verschwenderisch, von geringer Intelligenz und impulsiv, aber was ist mit
diesen Gerüchten?
Als er beiläufig zur Seite
blickte, bemerkte er, dass sich Thais Gesichtsausdruck nicht verändert hatte.
Meister ist schon etwas Besonderes. Wenn du wusstest, dass die Gerüchte falsch sind, hättest du mir das doch früher sagen können!
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Das Omegaverse und Adelstitel und ihre Anreden in der Welt von Turning
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