„Die steigende Anzahl von Anfragen an unsere Kavallerie, an Veranstaltungen teilzunehmen, ist eine positive Entwicklung. Allerdings erscheint es etwas übertrieben. Abgesehen von den einfachen Teilnahmeanfragen gibt es zahlreiche Anfragen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, alle von bedeutenden Veranstaltungen, an denen ausländische Diplomaten beteiligt sind. Darüber hinaus ist seit der Gründung der Kavallerie noch nicht einmal ein Jahr vergangen, und sie möchten, dass die gesamte Gruppe an der größten Feier des Jahres im Kaiserpalast teilnimmt. Wie soll ich diese Absicht interpretieren?“
„Es scheint, als wolle uns jemand in eine Lage bringen, in
der wir nicht ablehnen können“, antwortete Yuder, woraufhin Kishiar leicht
zustimmend nickte.
„Sie haben gegen die Regel verstoßen, alle damit
zusammenhängenden Angelegenheiten vertraulich zu behandeln, bis ich eine
Antwort gebe. Die Informationen haben sich nicht nur unter unseren Mitgliedern,
sondern bereits in der gesamten Hauptstadt verbreitet.“
Das Erntefest in der Hauptstadt war eines der bedeutendsten
Ereignisse auf dem Kontinent. Der Papst selbst leitete die Gottesdienste und
Gebete von einem Altar im Freien am Haupttempel des Sonnengottes aus. Es gab
eine große Parade mit den kaiserlichen Rittern des Palastes, speziell
ausgewählten kaiserlichen Elitetruppen, renommierten Rittern und Magiern aus
verschiedenen Provinzen. Ganz zu schweigen von unzähligen anderen großen und
kleinen Veranstaltungen und Wettbewerben, die mehrere Tage lang in der ganzen
Stadt stattfanden.
Es gab keine größere Ehre, als offiziell an einer
Veranstaltung teilzunehmen, die zahlreiche ausländische Diplomaten und
Touristen anzog.
Noch dazu gab es keine bessere Gelegenheit als diese, um die
neu gegründete Kavallerie dem gesamten Kontinent vorzustellen.
Wahrscheinlich wusste auch derjenige, der dies plötzlich
vorgeschlagen hatte, Bescheid, weshalb er mutig die Bühne bereitet hatte.
„Trotzdem kannst du immer noch ablehnen, nicht wahr?“
Eine mit einem Lachen unterlegte Antwort kam zurück. „Das
könnte ich.“
„Wenn du als Kommandant dich entscheidest, abzulehnen, ist
die Sache damit erledigt.“
„Was meinst du? Wäre es am besten wenn ich nicht misstrauisch,
wäre und dieses überaus vorteilhafte Angebot ablehnen würde?“
Die Gabel, die gerade das fünfte Stück Kuchen schnitt, blieb
stehen. Yuder starrte in Kishiars rote Augen voller Erwartung und erkannte,
dass diese Frage der Hauptgrund war, warum er herbeigerufen worden war.
„... Wie sollte ich das wissen? Ich bezweifle, dass meine
Meinung bei deiner großen Entscheidung von großem Nutzen wäre.“
Er versuchte, einmal auszuweichen, aber Kishiar lachte leise
und schüttelte den Kopf wie eine Boa Constrictor.
„Warum nicht? Deine einzigartige Perspektive war mir immer
eine Hilfe. Deine Meinung zu solchen Angelegenheiten zu äußern, gehört zu den
Aufgaben eines Assistenten, daher wäre ich dir dankbar, wenn du freisprechen
könntest.“
Nun, wenn es darauf ankommt ...
Yuder öffnete den Mund, während er eine Kirsche, die Kishiars
Augen ähnelte, mit seiner Gabel aufspießte.
„Hast du deine Entscheidung nicht eigentlich schon
getroffen?“
„Hmm?“
„Der Grund, warum sie das Ganze inszeniert haben, ist doch
offensichtlich. Sie wollen den Ruf der Kavallerie auf dem gesamten Kontinent
beschmutzen. Selbst wenn du ablehnst, könntest du bei der Veranstaltung noch
für Unruhe sorgen, aber ich vermute, dass sie sich damit nicht zufriedengeben
würden.“
Auf Yuders Worte hin lächelte Kishiar zufrieden und legte
sein Kinn elegant auf die Hand, die auf der Armlehne ruhte.
„Und?“
„Ich weiß nicht, wer sie sind, aber du kannst es dir
wahrscheinlich denken.“
Yuder fuhr fort und erinnerte sich daran, dass Kishiar am
Abend zuvor gesagt hatte, er habe eine ungefähre Vorstellung davon, wer
dahinterstecken könnte.
„Wenn man weiß, wer der Feind ist, kann man vorhersagen, was
er tun wird. Warum unnötig zurückweichen, wenn sie uns praktisch eine goldene
Gelegenheit bieten? Ist es nicht besser, den Köder zu schlucken und ihn zu
unserem Vorteil zu nutzen?“
„Ist das so? Du schlägst also vor, dass wir genau das tun?“
„Wenn unser Kommandant keine Angst vor Herausforderungen
hat, dann schlage ich genau das vor.“
Kaum hatte er ausgesprochen, verschwanden ein Stück Kirsche
und ein Stück Schlagsahnetorte in Yuders Magen.
„Hahaha. Keine Angst vor Herausforderungen, was?“
Kishiar lächelte strahlend und neigte den Kopf.
„Du mit deinem unscheinbaren Gesicht bist überraschend gut
darin, Dinge zu sagen, die andere in gute Laune versetzen.“
„Das ist nur meine ehrliche Meinung.“
„Nur du schaffst es, jemandem ein Kompliment zu machen und
ihn gleichzeitig gegen die Wand zu werfen.“
Trotz seiner Worte schien Kishiar in bester Stimmung zu
sein.
„Tatsächlich habe ich diese Vorschläge bereits angenommen,
wie du vorgeschlagen hast. Habe ich meine Antwort geschickt.“
Genau wie Yuder gedacht hatte, hatte Kishiar bereits eine
Entscheidung getroffen.
„Wenn man bedenkt, dass die Palastverwaltung meine Kontakte
bisher verzweifelt vermieden hat und plötzlich von sich aus auf mich zugekommen
ist, könnte es etwas Besseres geben? Vielleicht hat jemand diesen Köder
ausgeworfen, in der Hoffnung, dass unsere Kavallerie zum Gespött des Kontinents
wird, aber ich werde nicht darauf hereinfallen und ich werde auch nicht
davonlaufen. Auch wenn wir noch nicht lange bestehen und meine Truppen in
vielerlei Hinsicht noch unerfahren sind, ist das kein Grund für uns zu
scheitern. Siehst du das nicht auch so?“
Bei seiner selbstbewussten, langsamen Stimme lief Yuder ein
leichter Schauer über den Rücken. Yuder antwortete aufrichtig und sah Kishiar
in seine leuchtend roten Augen: „Ja.“
„Ich bin wirklich froh, dass mein Assistent und ich
derselben Meinung sind. Es wird eine hektische Zeit werden, aber lass uns
erfolgreich sein, um es ihnen zu zeigen. Es könnte sogar unterhaltsam sein,
dabei zuzusehen.“
Als Yuder das hörte, aß er das letzte Stück Kuchen und legte
seine Gabel beiseite. Der süße Nachgeschmack blieb in seinem Mund zurück.
„Aber wer steckt hinter all dem? Könnest du mir das jetzt
sagen?“
„Warum versuchst du nicht, es mit deinem klugen Verstand zu
erraten?“
„Kommandant.“
Auf Yuders leise gesprochene Anrede verzog Kishiar lächelnd
die Augen und öffnete dann den Mund. „Vor einigen Tagen stürmten die Höflinge
des Kronprinzen plötzlich in den Palast. Ich habe auch gehört, dass gestern ein
Diener mit einem roten Gürtel dort gesehen wurde. Es scheint, als sei der
Kronprinz sehr an diesem Ereignis interessiert.“
Seine Antwort schien aus dem Nichts zu kommen, aber sie
reichte Yuder völlig aus, um die Bedeutung zu erschließen.
Kronprinz Katchian La Orr.
Yuder erinnerte sich an das Gesicht des jungen Kronprinzen,
den er bei seinem letzten Besuch im Kaiserpalast kurz getroffen hatte. Er
wusste bereits, wer hinter dem Jungen stand, der seinen kalten Blick hinter
einem aufgesetzten Lächeln verbarg.
Ist der Herzog von Diarca daran beteiligt?
Er fragte sich, ob es vielleicht mit dem Fall Hartan zu tun
hatte, in den Kiolle verwickelt war, aber Yuder schüttelte den Kopf. Kiolle,
der an einen Eid gebunden war, konnte niemanden im Haus informieren. Außerdem,
wenn sie sich ein paar Tage lang im Palast eingemischt hatten, konnte das nicht
wegen des jüngsten Vorfalls gewesen sein.
„Und … erinnerst du dich an den Grafen von Gallon, der vor
einigen Tagen hier zu Besuch war?“
Während Yuder in Gedanken versunken war, warf Kishiar eine
weitere Information ein.
Der Graf von Gallon. Yuder versuchte, sich zu erinnern, wo
er diesen Namen schon einmal gehört hatte, und nach einer Weile fiel ihm
endlich ein, wer das war.
Ah, der Mann, der gekommen war, um Kanna zurückzufordern.
Nachdem er ihn ordentlich zurechtgewiesen und hinausgeworfen
hatte, hatte er ihn völlig vergessen.
„Ja, ich erinnere mich.“
Als er Yuders verkniffenen Gesichtsausdruck sah, lachte Kishiar
herzlich.
„Nun, du brauchst dich nicht noch einmal an ihn zu erinnern.
Dank der Gerüchte über ihn haben sich viele Menschen für die Kavallerie
interessiert. Es könnte sein, dass während des Festes Leute nach den
Mitgliedern suchen, die mit diesem Vorfall in Verbindung stehen, aber tu einfach
so, als wüsstest du nichts davon. Der Bote aus dem Palast vorhin hat subtil
versucht, die Wahrheit des Gerüchts zu bestätigen.“
„Ah ... Ja. Ich verstehe“, antwortete Yuder besorgt und
erkannte einen Takt zu spät, dass Kishiar mit seinen Worten einen weiteren
Hinweis gegeben hatte.
Also wollen sie aufgrund dieses Gerüchts einfach nur die
Macht der Kavallerie mit eigenen Augen sehen ...
Dann machte es Sinn, warum Kishiar so entspannt war. Noch
wusste niemand, wie mächtig die Kavallerie tatsächlich war. Es war der perfekte
Zeitpunkt, um die von ihnen unterschätzte Falle in eine Chance zu verwandeln.
Während Yuder nachdachte, fuhr Kishiar ruhig fort. „Also
werden wir ab heute das gesamte Training um die Hälfte reduzieren und die
Teilnehmer auf die einzelnen Veranstaltungen aufteilen, damit sie dort üben
können. Du, Nathan und die stellvertretenden Kommandanten jeder Division müssen
hart arbeiten. Aber du müsstest noch etwas tun.“
„Meinst du die Untersuchung des Roten Steins?“
„Das auch, aber es gibt noch etwas anderes.“
Kishiar verkündete nonchalant, dass er eine weitere Aufgabe
hinzufügen würde.
„Hast du es vergessen? Die Bitte, die du vor deinem Urlaub
geäußert hast. Du hast um die Befugnis gebeten, die Ausbildung der Mitglieder
zu leiten.“
„Ah ...“
Als Yuder nickte, reichte Kishiar ihm ein Stück Papier mit
einem Siegel darauf, als hätte er nur darauf gewartet.
„Ich habe es bereits genehmigt. Dein individuelles Training
mit Gakane und Kanna war sehr beeindruckend. Jetzt, da Devran Hartude
zurückgekehrt ist, ist es nicht an der Zeit, diese Fähigkeit auf alle
Mitglieder auszuweiten?“
Als Yuder in diese selbstbewussten, roten Augen blickte, war
er sprachlos.
Nun, ich hatte ohnehin vor, dies zu tun ...
Er hatte dies bereits in seinem früheren Leben getan, daher
würde es keinen Unterschied machen, es ein zweites Mal zu tun. Yuder nahm das
Genehmigungsschreiben entgegen und nickte leicht.
„Verstanden.“
„Nun denn ...“
In diesem Moment klopfte es an der Tür.
„Kommandant. Hier ist Ever Beck. Ich habe dringende
Neuigkeiten.“
Kishiar, der seinen Blick kurz auf Yuder gerichtet hatte,
befahl: „Herein.“ Als Ever die Tür öffnete und eintrat, waren ihre Wangen
gerötet, als wäre sie hierher gerannt. Als sie Yuder gegenüber dem Kommandanten
sitzen sah, war sie überrascht, aber sie fasste sich schnell wieder, näherte
sich und verbeugte sich.
„Was ist los?“
„Gerade hat Jimmy Ockers Manifestation des zweiten Geschlechts begonnen. Wie vereinbart habe ich ihn isoliert und bin gekommen, um Bericht zu erstatten.“
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Das Omegaverse und Adelstitel und ihre Anreden in der Welt von Turning
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